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Neue Studie: 30% der Österreicher haben erhöhten Ruhe-Blutdruck — Hälfte davon weiß es nicht · AKH Wien warnt vor unterschätztem Risiko · DASH-Ernährung senkt Blutdruck um bis zu 14 mmHg · Atemtechnik 4-2-6 nachweislich wirksam
Blutdruck
Titelgeschichte
Warum der Blutdruck auch in Ruhe steigt — und was Sie dagegen tun können
Fünf Mechanismen, sieben Risikofaktoren, fünf Gegenmaßnahmen. Alles, was Sie wissen müssen — evidenzbasiert und alltagstauglich.
Dr. Elisabeth Gruber · AKH Wien · 30. März 2026
Blutdruck · Kardiologie

Warum der Blutdruck auch in Ruhe steigt: Mechanismen, Risiken und 5 Gegenmaßnahmen

Von Dr. Elisabeth Gruber, Kardiologin · AKH Wien · 30. März 2026 · 14 Min. · 12 Kommentare

Viele Menschen gehen davon aus, dass ihr Blutdruck in Ruhe automatisch im Normalbereich liegt. Die klinische Realität zeigt das Gegenteil: Der Blutdruck kann auch in völliger Ruhe chronisch erhöht sein — ohne dass die Betroffenen etwas davon spüren. Und genau das macht den sogenannten Ruhe-Blutdruck so gefährlich: keine Symptome, keine Warnung — aber stetige, schleichende Schäden an Gefäßen, Herz und Nieren.

30%
der Österreicher betroffen
50%
wissen nichts davon
120/80
mmHg — Zielwert

Die 5 Mechanismen im Überblick

1. Überaktives sympathisches Nervensystem

Der „Kampf-oder-Flucht"-Modus bleibt bei chronischem Stress dauerhaft aktiv — auch in körperlicher Ruhe. Verengte Gefäße, erhöhte Herzfrequenz, ständige Alarmbereitschaft. Hauptauslöser: Arbeitsstress, Sorgen, Schlafmangel und übermäßiger Koffeinkonsum.

2. Gefäßsteifigkeit

Mit dem Alter verlieren Blutgefäße ihre Elastizität. Beschleunigt durch Rauchen, Diabetes und Bewegungsmangel. Starre Gefäße können den Druck nicht abfedern — er bleibt konstant hoch, ob man sich bewegt oder sitzt.

3. Natriumüberschuss

Zu viel Salz bindet Wasser im Körper. Mehr Flüssigkeit im Kreislauf bedeutet mehr Druck auf die Gefäßwände. Der Durchschnittsösterreicher konsumiert 8 bis 10 g Salz pro Tag — die WHO empfiehlt maximal 5 g. Hauptquellen: Fertiggerichte, Wurst, Brot, Käse.

4. Hormonelle Dysregulation (RAAS)

Das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System kann bei Überaktivierung den Blutdruck chronisch erhöht halten, unabhängig von Aktivität. Auslöser: Nierenprobleme, Übergewicht, genetische Veranlagung.

5. Gestörter Schlaf

Im normalen Schlaf sinkt der Blutdruck um 10–20% („Dipping"). Bei schlechter Schlafqualität bleibt dieser Abfall aus — der Körper erholt sich nicht, der Tagesdruck steigt. Schlafapnoe, zu wenig Schlaf und unregelmäßige Zeiten sind die häufigsten Ursachen.

Der Blutdruck ist kein Schalter, der sich beim Hinsetzen auf „normal" stellt. Er ist ein Spiegel — ein Spiegel dessen, wie wir essen, schlafen, uns bewegen und mit Stress umgehen. Jeden Tag, 24 Stunden.

— Dr. Elisabeth Gruber, Kardiologin, AKH Wien

5 evidenzbasierte Gegenmaßnahmen

🚶
Regelmäßige Bewegung
30 Min. zügiges Gehen, 5× pro Woche. Im Prater, an der Donau, im Wienerwald — oder einfach um den Block.
−5 bis −8 mmHg
🧂
Salzreduktion auf max. 5 g/Tag
Weniger Fertiggerichte, weniger nachsalzen. Stattdessen: Knoblauch, Kurkuma, Basilikum, Zitrone.
−3 bis −5 mmHg
😴
Schlafhygiene verbessern
7–8 Stunden, gleiche Zeit, Bildschirme 1h vorher aus. Ermöglicht das nächtliche „Dipping".
Dipping normalisiert
🧘
Atemtechnik 4-2-6
Einatmen 4s, halten 2s, ausatmen 6s. 10× abends. Beruhigt den Sympathikus messbar.
Sympathikus beruhigt
🥗
DASH-konforme Ernährung
Mehr Gemüse, Obst, Fisch, Vollkorn. Weniger Salz, Zucker, Fertiggerichte.
−8 bis −14 mmHg kombiniert

Zusammenfassung

  • 5 Mechanismen: Sympathikus, Gefäßsteifigkeit, Natrium, RAAS, Schlaf
  • 7 beeinflussbare Risikofaktoren: Salz, Bewegungsmangel, Übergewicht, Stress, Schlafmangel, Alkohol, Rauchen
  • 5 Maßnahmen: Gehen, Salz reduzieren, Schlafhygiene, Atemtechnik, DASH-Ernährung
  • Effekt: In 4–6 Wochen messbar. Kosten: 0 €.
✅ Empfehlung Diese Woche eine Maßnahme starten. Nächste Woche eine zweite. In sechs Wochen zeigt sich der Effekt auf dem Messgerät.
⚕️ Wichtiger Hinweis Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Medikamente nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt verändern.